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P+R

Produktion und Rezeption

iron filings and sellotape: amidst the grease and chaos

2012 January 27

Künstler: iron filings and sellotape
Titel: amidst the grease and chaos
Label: decorative stamp
Erscheinungsjahr: 2011
Liedanzahl/ Albumlänge: 20/ 38:38 Minuten

„Es gibt kein härteres Unglück in allem Menschen-Schicksale, als wenn die Mächtigen der Erde nicht auch die ersten Menschen sind. Da wird alles falsch und schief und ungeheuer.” [1] Wie entsetzt iron filings and sellotape von jenen Mächtigen und deren Machtstreben sind, deutet das (fast ganz) anonyme Kollektiv in seiner Absichtserklärung an, welche nur einen Teil des Zustatzmaterials [2] ausmacht, das dem Album in einem Umschlag beiliegt.

Unter anderem befindet sich dort eine Seite aus einem klassischen Werk der Philosophie, bei der es sich in der 36. von 50 Ausgaben um eine Seite aus Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra handelt. Dass das Kollektiv letztlich eine Produktion von Film, Musik und Literatur beabsichtigt, mag hierbei schon ersichtlich sein.

Die Herangehensweise des Kollektivs – bei der jamesreindeer als einziger der Beteiligten namentlich genannt wird, der für das Mastering und den Sprechgesang von drei Stücken verantwortlich ist – besteht aus der Filterung von „Elementen des geopolitischen Feldes”, welches sich unter anderem aus Voice Samples von ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten über Sänger der Hanoar Hazioni, von der American Air Force über die Hamas, von Reverend Jim Jones über Robert MacNamara speist.

Es ist der Anspruch des Kollektivs, dass das ausgewählte Material nicht digital manipuliert und ursprünglich auf Magnetband aufgenommen wurde. Für die Werke darf nur bereits bestehendes Material verwendet und kein Neues extra für das Projekt aufgenommen werden.

Während in der Nachrichtenproduktion Inhalte im Zuge des Gatekeeping einem enormen Selektionsprozess und somit auch einer Bearbeitung unterliegen, entziehen sich iron filings and sellotape einer solchen Manipulation, indem sie das gewählte Material unbearbeitet verwendet. Selbstverständlich ist auch hier ein Selektionsprozess vorhanden und das Werk letztlich gemäß der Absicht des Kollektivs eingenommen.

Dieses bemüht sich um eine bessere Welt, wie das Ende des Absichtserklärung verstehen lässt. Inwiefern dieses Streben schon mit diesem Album erreicht wird, bleibt fraglich, da jene geopolitische Sphäre erst offengelegt und umschrieben wird, anstatt dass es konkrete Lösungsansätze gibt. Für ein auditiv-musikalisches Werk mag dies aber auch nicht der Anspruch sein.

So bewegen sich die Raps jamesreindeers in den drei Liedern auf der Umschreibung von Kriegszuständen und teils deren Anprangerung. Der Inhalt ist dabei oft genauso fragmentarisch zusammengetzt wie das zugrunde liegende (sprachliche) Material. Wie weit die Kritik an dem zuvor angesprochenen geopolitischen Feld geht, mögen die letzten Worte auf helicopter gunships andeuten:

„akward gameshow host in a cheap suit and a fake smile cuts from landmine victim crawling in a field, partial limbs trailing. helicopter drowns out gameshow wheel spinning.”

Die musikalische Seite bewegt sich, durch die Samples einiger (Psychedelic) Rockbands, auf einer psychedelischen, experimentellen Reise samt Lo-Fi Beats und (Stör) Geräuschen, sodass sich letztlich jenes geopolitisches Feld, trotz manch konträrer Standpunkte, zu einem auditiven Gesamtwerk zusammenschließt.

„Aber er bezwang sich. ,Wohlan! sprach er, dorthin führt der Weg, da liegt die Höhle Zarathustra’s; und dieser Tag soll einen langen Abend haben! Jetzt aber ruft mich eilig ein Nothschrei fort von Euch.
Es ehrt meine Höhle, wenn Könige in ihr sitzen und warten wollen: aber, freilich, Ihr werdet lange warten müssen! [...]” [3]

Liedliste

01.[noisefieldtransmission one]
02.Abandoning the Engines of Change [woodhook]
03.Kingdom of Heaven [abduction & molestation]
04.Helicopter Gunships
05.Snakes & Devils [version one]
06.Committee on the Present Danger / [reporting from tehran]
07.Bleating in the Pit / [yatzanu at]
08.Masada Dig Site / [reporting from beirut]
09.Death Valley Eulogy
10.Praise the Lord and Pass the Ammunition
11.We Set the Policy [get some people killed]
12.Dead Pools in Napoli
13.Infidel Landfill
14.Salvaged Loop from a Failed Session
15.Snakes & Devils [version two]
16.Shir Haletsan
17.Seventh July 2005
18.Blind Sky / [going down]
19.Abandoning the Engines of Change [ascension]
20.[noisefieldtransmission two]

Videobeispiel

Weiterführende Links:
amidst the grease and chaos auf bandcamp
jamesreindeer
decorative stamp


[1] Friedrich Nietzsche. Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen. Frankfurt am Main 2008, S. 271.

[2] Enthalten sind zudem: Blatt mit Liedtexten, Credits, Quellen, Liedliste, Funktionszeichnung überholter Technologien, Sticker

[3] Friedrich Nietzsche. Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen. Frankfurt am Main 2008, S. 272.

Max Frisinger: KUNSTPREIS START 2011

2012 January 24
Posted by Oxymoron

Ein Stück Bonn im Kunstmuseum Bonn. Der mit dem KUNSTPREIS START – 2011 erstmals ausgerufen – geehrte Max Frisinger hat dies mit seiner großformatigen Installation im zentralen Treppenhaus des Kunstmuseum Bonns geschaffen, indem der 31-jährige Bildende Künstler diverse Objekte im Raum Bonn gesammelt und zu einer über die Treppenstufen ragenden Installation zusammengefügt hat. Auf Grund der Bandbreite an Gegenständen und Farben in Kontrast zum bloßen Weiß der Wände am Treppenhaus stehend, mag man Frisingers Arbeit durchaus auch als Alltagskunst beschreiben.

Max Frisinger - KUNSTPREIS START 2011 Max Frisinger - KUNSTPREIS START 2011

Weiterführender Link:
Kunstmuseum Bonn

Einstellung

2012 January 16
Posted by Oxymoron

Einstellung

Ich habe nicht mehr alle Tassen im Schrank.
Und die wenigen Tassen, die im Schrank verblieben sind,
haben alle einen Sprung.
Ich setze an,
drehe mich zum Schrank
und klopfe auf Holz.
Ich klopfe und klopfe und klopfe,
als ob ich auf eine Antwort warten würde.

Doch wer soll mir öffnen, wenn nicht ich selbst?
Wie soll ich mich öffnen, wenn nicht durch mich selbst?

Verstaubte Weggründe von
verschloss’nen Herzkammern samt
verrosteten Türschlössern. Fiel
der Schlüssel in einen Wunschbrunnen?
Versiegende Rinnsale aus fließenden Kapillaren
führten zu einem roten Bindfaden,
behangen mit nichtssagenden Sinnfragen,
hängend in jenem Schrank
gegen den ich klopfte
und klopfte und klopfte,
als ob ich auf Fragen eingeschlagen würde.

Doch wer soll mir antworten, wenn nicht ich selbst?
Was soll ich antworten – meinem Selbst?

Ich muss mich darauf einstellen,
mich einzustellen.
Ich suche freie Stellen,
um Kunst über Vernunft zu legen.

- Januar 2012

Haiku #9

2012 January 12
Posted by Oxymoron

Haiku #9

Schwarz gerahmter Tag
trotz(t) weißen Pinselstrichen
falsch ins Bild gesetzt.

- September 2010

sketchbook p. 22, 23, 24

2012 January 10
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Posted by Oxymoron

sketchbook p. 22 & 23

sketchbook p. 24

- Collagen
Originalgröße: 42×29,7 cm resp. 29,7×21 cm
August 2011

Weitere Photos von Collagen aus meinem Sketchbook sind bei flickr im Album there is no “after work” zu finden.

Pink Elephants (Reprise)

2012 January 5
Tags:
Posted by Oxymoron

„Look out. Look out.
They’re walking around the bed
on their head, clippity-cloppity.
Arrayed in braid.
Pink elephants on parade.“
Dumbo (USA 1941)

Shirt „Pink Elephants“ (Reprise)

- Stoffmal- und Druckfarbe auf Baumwoll-Shirt
Oktober 2011

(photographiert von N)

Spielt gut – eine Bilderreise

2011 December 25
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Posted by Oxymoron

Hand in hand

A place in your heart

Getting married (in Neumarkt i.d.Opf)

waving goodbye

Haiku #12

2011 December 19
Posted by Oxymoron

Haiku #12

Hätte man Kim Jong-il nur kastriert.
Denn die Früchte seiner Lenden
sind ein Kim Jong-un-Ding.

- April 2011

Stolpersteinewerfen

2011 December 14
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Posted by Oxymoron

Stolpersteinewerfen

Fällt man über Stolpersteine, sollte man sich klarmachen:
Sie bringen einen nur zurück auf den Boden der Tatsachen.

Es lohnt sich nachzuhaken, den Garten umzujäten.
Denn dort drin liegen sie begraben, die Freuden des Lebens.
Wie ein Häufchen Elend stand ich häufig regungslos daneben,
ebnete mir in Träumen meine Wege, doch leugnete so mein Leben.
Jenes als Versäumnis zu sehen, davon zeugt mein Lebensweg
nicht mehr lange, ich habe Zeugnis abgelegt.
Und so freu’ ich mich…
zu spät.

- 2006

580km Nähe

2011 December 12
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Posted by Oxymoron

580km Nähe

- Acryl auf Leinwand
Originalgröße: 30×24 cm
Dezember 2011
(für Michael)

Füllen und Leeren im Künstlerforum Bonn

2011 December 6
Posted by Oxymoron

Auch wenn das Medium Film den Eindruck einer fortlaufenden Bewegung erweckt, handelt es sich dabei um eine Abfolge von einzelnen, verschiedenen Photographien. Da jede einzelne Photographie also ein bestimmten Zustand aufzeigt, ist ein Übergang nur innerhalb des Films möglich.

Annegret Heinl hat in ihrer Arbeit a moment levitating jedoch einer Photographie – einer der ersten überhaupt, von Joseph Nièpce – solche Übergänge eingeschrieben, indem sie Niepces Bild mehrfach leicht verändert, es einer Metamorphose unterzieht, und die einzelnen Teile wiederum aneinanderreiht, als handele es sich dabei um einen Film. Durch diese Modifikation haftet der Arbeit ein Zustand der Auflösung an, der aber nur durch die Anwesenheit des Rezipienten sichtbar wird. Die untergelegte Musik Chao-Ming Tungs verstärkt jenen Eindruck der Auflösung.

Dass es sich um einzelne Zustände handelt, zeigte sich bei der Ausstellung Füllen und Leern im Künstlerforum Bonn noch dahingehend, dass fünf Photographien der Modifikation Nièpces Bildes vor dem Raum der Videoinstallation angebracht wurden.

Roland Bergère: Archive silencieuseFüllen und Leeren deutet schon jene Momente der Auflösung an, die erst so ein Werk vervollständigen mögen. Füllen und Leeren beschreibt auch den kreativen Prozess, von der Geburt von Ideen bis zur Umsetzung jener Ideen im Zuge der Fertigstellung einer Arbeit.

Roland Bergère füllt seit 1998 sein Archive silencieuse, indem er Skizzen und Notizen auf Blättern zusammenkleistert und so ganze (Miniatur-) Regale erstellt. Das ideenreiche Archiv mag für den Rezipienten zwar sichtbar, deren Inhalte sind aber unerreichbar.

Die Ausstellung wurde von den beiden Arbeiten van Breest Smallenburgs samt Videoinstallation, Spiegelscherben, Tüchern und Ventilatoren, den minimalistischen, mit Schnürsenkeln, Spanngurten und Klebebandrollen geformten rechteckigen Werken von Ingo Gerken, dem unter anderem geteilten Globus von Antonia Löw und den Zuckerwattenspielereien der Iconauten komplettiert.

 Weiterführende Links
Künstlerforum Bonn 
Annegret Heinl
Roland Bergère 

Dunst des Handelns

2011 December 1
Tags:
Posted by Oxymoron

Dunst des Handelns

Meine Rhetorik des Gehens vollzieht sich im Dunkeln.
Ein jeder meiner Schritte fiel aus aller Munde.
Überträger hohler Kunde empfang’ ich erst gar nicht.
Schlage gegen Bretter bis Plexiglas bricht.
Ein Blick durch Klarsicht-folien verschwimmt,
doch bestimmt, wer wir sind.
… wer wir sind.
… wer wir sind.

Ich such’ meinen Texten einen Platz in der Nische.
Ihnen fehlt die Ästhetik für die Glasvitrine.
Humane Wahlkabinen kreuzen ihre Wege
und bleiben erst vor Teufelskreisen stehen.
Es fallen Entscheidungen – Haltung bewahrend -
mitsamt Voyeuren und der Asphalt vernarbt.
Graustufen färben die Fußstolperzonen.
Der Blick wird genormt im Rechteck eingefroren.
Shivas in Schriftzeichen sprengen die Kurzsicht,
ihre Bewahrung fördert den Durchblick.
Entgegen Geschriebenem, das man nicht lesen kann.
Der Held der Moderne? Im Panoptismus gefangen.
Mit verhallenden Schritten im Textgewebe bewegt.
Diskontinuität und Gegenwärtiges prägt
jenes Handeln, gestrandet auf Synekdochen;
dessen Stil-/ Treibmittel sind die Dosen.
Allein dieser Text ist ein pars pro toto
Was nach dem Dunst bleibt: Ein vergilbtes Photo
zeigt Theorien von Fenstern, im Sinne Franz Kafkas.
Denn Schönheit flieht vom Auge des Verachters.

- 2011

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

[Zum Download via bandcamp]

home is where the heart is

2011 November 29
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Posted by Oxymoron

home is where the heart is

- Acryl auf Leinwand
Originalgröße: 20×20 cm
April 2011

Weekend CollageSZ #14

2011 November 24
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Posted by Oxymoron

Arbeiten der Serie Weekend CollageSZ bestehen einzig aus einer Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung (SZ). Die Größe der Collage ist dabei mit der Größe einer Zeitungsseite (56,5 x 40 cm) festgelegt.

Die 14. Arbeit der Weekend CollageSZ ist aus der Wochenendausgabe vom 24./25. September 2011 (Nr. 221) erstellt.

Weekend CollageSZ #14

- Collage
Originalgröße: 40×56,5 cm
November 2011

Maeckes: Manx EP

2011 November 22
Posted by Oxymoron

Künstler: Maeckes
Titel: Manx EP
Label: Chimperator
Erscheinungsjahr: 2011
Liedanzahl/ Albumlänge: 9 (inkl. einem Bonuslied)/ 39:12 Minuten

Die Eigenständigkeit als Künstler zu bewahren, ist im Zuge von Agenten, Galerien oder Labels kein einfaches Unterfangen. Die Eigenständigkeit als Persönlichkeit zu bewahren, sprich sich selbst treu zu bleiben, mag noch weitaus schwieriger sein. Verfolgt man Maeckes’ bisherigen Weg als Künstler, zeigt sich jene bewahrte Eigenständigkeit deutlich. Bereits auf seiner 2003 erschienenen Autopilot EP appelliert Maeckes dann auch zum „Sei du“ – acht Jahre später hat dieser Appell weiter Bestand bzw. ist zu einem „Sei du selbst“ geworden.

Mittlerweile sind die Nachbarn, auf die man blickt, virtuell geworden, sodass die Existenz Gefahr läuft, nichts mehr weiter zu sein als eine von vielen „Unterhaltungsmechanismen“ oder „einfach nur eine Zahl“. In einem solchen Niemandsland bewegt sich eine Generation, deren Adjektiv sich fast so schnell ändert, wie die Nachrichten innerhalb des dieser Generation genutzten Leitmediums. Die daraus resultierende Reizüberflutung in dieser Guckguck-Welt greift Maeckes visuell in den Videos zu Niemandsland (siehe unten) und vor allem SLBST auf.

Um in dieser Reizüberflutung nicht zu ertrinken, bedarf es eine bestimmte Wahrnehmungsgabe und ein Auge für das Detail. Und das offenbart Maeckes, auch wenn ihn selbst YouTube-Videos durch die Nacht bringen, „bis jede Erinnerung zerplatzt“, er sich also als ein Teil jener beobachteten Generation zeigt. Maeckes’ Texte beinhalten Sozialmissfallen und -kritik, doch am ehesten -beobachtung (wie im eröffnenden Zoom), und bewegen sich folglich zwischen ausgestrecktem Mittelfinger und gehobenem Zeigefinger.

Als Ventil neben der Arbeit am neuen Album mit den Orsons, hatte Maeckes das Bedürfnis, schlicht und einfach wieder zu rappen (SLBST: „Ich wollt’ euch nur meine Gedanken schenken. Doch wenn sie unerwünscht sind, könnt ihr daran verrecken.“) Das hört man auch der Musik selbst an, die Maeckes mit Ausnahme von Black Swan (Zusammenarbeit mit Plan B) – das ein wenig den Eindruck eines leicht gezwungenen White-Trash-Nachfolgers macht – und dem Bonuslied (Remix von Marlon) komplett selbst produziert hat.

So ist schon dem zu Beginn erwähnten SLBST zu attestieren, dass die Drums nur so knallen, dass Maeckes mit druckvollem, intensivem Sprechgesang einsetzt. Der Soundteppich mag allgemein eher simpel gestrickt sein, doch bietet er dennoch oder gerade deswegen eine gewisse Stimmungsgrundlage für die im Vordergrund stehenden Texte. Mag man bei Maeckes’ null beispielsweise noch skizzenhafte Produktionen vorgefunden haben, so liefert die Manx EP doch vollständig ausproduzierte Rap-Instrumentals; samt kleiner Details wie dem Kinderchor bei Niemandsland, dessen „Oh yeah” sich bezüglich der Texte von Maeckes und vor allem Tua äußerst sarkastisch darstellt.

Während sich in jenem Niemandsland Grau-stufenregenbogen aus KIDS zeigen könnten, steigert sich das misanthropische Potential einer Kollaboration bei der Zusammenarbeit mit JAW auf Pisse aus Weingläsern. Es ist der hervorragenden visuellen Umsetzung im Hause Chimperators respektive der JUICE geschuldet, dass man sich bei der bloßen auditiven Rezeption jener beiden Lieder die Videos herbeiwünscht.

Neben der ironisch-kritisch-sarkastischen Beobachtung auf die Gesellschaft ist Maeckes dann am stärksten, wenn er seine Beobachtung auf sich selbst legt und Ehrlichkeit walten lässt. So kann man das Highlight der EP auf jene knapp neun Minuten legen, in denen auf Niemandsland das nie perfekte, an dem immer noch gefeilten Unperfekt folgt, das den Zwiespalt und „imperialistische Zweifel“ eines Künstlers und Menschen, auch bezüglich seiner Eigenständigkeit, aufzeigt. „Entweder absolutes Selbstvertrauen oder absolut kein Selbstvertrauen bezüglich meiner Weltanschauung.“

Wie es beim Format einer EP auch nicht der Anspruch sein kann, handelt es sich bei Manx nicht um ein Werk KIDS‘schem Ausmaß, das etwas wirklich Neues im Rap-Kosmos darstellt, samt eines deutlich auszumachenden roten Fadens, das ein Thema/ eine Welt vorgibt. Und dennoch kann man bezüglich Manx von einem kohärenten Werk sprechen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Atmo am Ende des letzten – exklusive des Bonusliedes – an die Atmo zu Beginn des ersten Stückes anknüpft.

Als gezüchtete Katze ohne Schwanz ist die Katzenrasse Manx ihrem Selbst einen Teil beraubt worden. Maeckes hat sich seine Eigenständigkeit weiterhin bewahrt, liefert hingegen von sich aus wieder ein Stück seiner Selbst und das „mit Herzblut“ (Sei du) bzw. „auf [s]ein Herz hören[d].“ (SLBST)

Liedliste

1.Zoom
2.SLBST
3.Pisse aus Weingläsern (mit JAW)
4.Black Swan (mit Plan B)
5.Probleme weglächeln
6.Niemandsland (mit Tua)
7.Unperfekt
8.Gossip
Bonus: Explain the world to me (Marlon Remix)

Videobeispiel